12. Mai 2026
Schluss mit Klatschen: Pflege fordert Selbstbestimmung

Zum heutigen internationalen Tag der Pflegenden fordert das Pflegebündnis Mittelbaden e.V. mehr Kompetenzen für die Pflege und deren konsequente Anerkennung.
Das deutsche Gesundheitswesen steht an einem Wendepunkt. Zwischen wohlklingenden Worten und der harten Realität klafft eine immer größere Lücke. „Pflege muss endlich als eigenständige Säule im Gesundheitssystem verankert und mit den nötigen Kompetenzen ausgestattet werden“, betont Peter Koch, Vorsitzender des Pflege-bündnisses Mittelbaden. Gemeinsam mit Organisationen wie dem Walk of Care demonstriert das Pflegebündnis heute in Stuttgart, um ein Zeichen zu setzen und Haltung zu zeigen.
Erinnern wir uns: Während der Corona-Pandemie applaudierten die Menschen von Balkonen für Pflegekräfte. Politiker und Arbeitgeber versprachen bessere Arbeitsbedingungen und spürbare Entlastung. Doch die Ernüchterung kam schnell. Obwohl es eine zentrale politische Aufgabe ist, professionelle Pflege in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung sicherzustellen, bleibt die Realität enttäuschend: In Baden-Württemberg ignoriert der Koalitionsvertrag die Pflege weitgehend. In Berlin kündigt die Charité aufgrund aktueller Bundesgesetze den Tarifvertrag Entlastung.
Koch blickt besorgt in die Zukunft: „Eine Gesellschaft zeigt ihren wahren Charakter daran, wie sie mit den Schwächsten umgeht. Starke Pflege sichert soziale Gerechtigkeit. Wer die Pflege schwächt, riskiert den sozialen Frieden.“ Als Pflegemanager versteht er die Entscheidung der Charité-Leitung, sieht jedoch auch das Signal, das von Berlin ins Land geht: „Diese Reaktion ist die erste Folge einer politischen Linie, die Wertschätzung nur als Worthülse kennt. Wer das Pflegebudget deckelt und Tariflohnentwicklungen nicht refinanziert, nimmt in Kauf, dass erfahrene Pflegefachpersonen den Beruf aufgeben und junge Menschen erst gar nicht einsteigen.“ Doch zur Wahrheit gehört auch, dass sich die Profession selbst wertschätzen muss. Wertschätzung bedeute aber auch, Verantwortung zu übernehmen und sich zu organisieren. Nur so entsteht Professionalität.
Das Pflegebündnis fordert echte Wertschätzung, die sich u.a. in der Anerkennung der Kompetenzen und der Selbstverwaltung der Pflege zeigt. Außerdem müssen Arbeitsbedingungen nicht nur erhalten, sondern verbessert werden – statt sie schleichend und durch die Hintertür abzubauen.



