22. Juli 2026
GKV-Spargesetz verschärft Krise in der Pflegeausbildung

Pflegebündnis Mittelbaden e.V. warnt vor dramatischen Folgen: Lehrkraftmangel und Klinikeinsparungen bedrohen Ausbildungsplätze vor Ort
Die Probleme in der Pflegeausbildung nehmen zu. Zwar stieg die Zahl der Interessenten im vergangenen Jahr um rund acht Prozent, doch dieser Anstieg resultiert vor allem aus der Zuwanderung junger Menschen aus dem Ausland. Hohe Abbruchquoten und eine erhebliche Anzahl an jungen Menschen, die die Prüfung am Ende nicht bestehen, schränken den tatsächlichen Nachwuchs stark ein. Zudem steht das System angesichts des akuten Lehrermangels, komplizierter Zulassungsregeln und fehlender Praxisplätze unter Druck. Das neue GKV-Spargesetz droht, die Lage zusätzlich zu belasten.
Manuel Benz, Vorstandsmitglied des Pflegebündnisses Mittelbaden e.V., warnt vor übertriebenem Optimismus: „Selbst wenn viele Absolventen in den ersten Jahren nach dem Abschluss im Beruf verbleiben würden, steht eine massive Pensionierungswelle der Babyboomer bevor. Bis 2030 fehlen voraussichtlich rund 500.000 Pflegekräfte. Der aktuelle Anstieg der Ausbildungszahlen kann diesen drohenden Kollaps nicht verhindern – zumal sich die Verweildauer der Pflegefachpersonen im Beruf verkürzt.“
Strukturelle Defizite und Folgen von Klinikschließungen
Neben dem demografischen Wandel treten seit der Reform der Pflegeausbildung operative Hürden deutlicher zutage. „Wir haben einen enormen Mangel an Lehrenden und Praxisanleitenden. In vielen Landkreisen fehlen bereits jetzt ausreichend Praxisplätze in der Akutversorgung. Die Klinikschließungen der letzten Jahre verschärfen dieses Problem“, beklagt Vorstandsmitglied Walter Anton.
Bedrohung für den Ausbildungsstandort Mittelbaden
Das GKV-Spargesetz wird diese Entwicklung weiter beschleunigen. „Das Gesetz verschärft die Situation am Klinikum Mittelbaden dramatisch“, warnt Benz. Als kommunale Einrichtung trifft die verfehlte Bundespolitik direkt die kommunalen Haushalte. Derzeit gibt es am Klinikum Mittelbaden 31 Praxiseinsatzstellen; 15 Plätze sind dabei für externe Träger wie Pflegeheime und ambulante Dienste reserviert. Sollte das GKV-Spargesetz zu einem Bettenabbau führen, müssten bis zu 12 Einsatzstellen gestrichen werden. „Das wäre ein schwerer Schlag für die Ausbildungssituation in Mittelbaden“, so Anton abschließend.



