6. November 2025
Berlin, Berlin, wir waren in Berlin

Der Deutsche Pflegetag hat in diesem Jahr so viele Besucher angelockt wie noch nie: 10.000 Teilnehmende waren am 5. und 6. November in Berlin beim größten Netzwerktreffen der Branche. Auch das Pflegebündnis Mittelbaden ist mit einigen Mitgliedern angereist, um die Chance zum Netzwerken wahrzunehmen und sich in fachlichen Diskussionen up to date zu bringen.
Nach dem enttäuschenden Auftritt unserer Bundesgesundheitsministerin Nina Warken war es umso erfrischender zu sehen, dass die Profession Pflege aus sich selbst heraus Veränderungen bewirkt. So wie Cagla Kurtçu, die Gewinnerin des diesjährigen Deutschen Pflegepreises, die sich in Hamburg in den Gesundheitskiosken, die sie leitet, für einen niedrigschwelligen Zugang zum Gesundheitssystem einsetzt.
Aber nicht nur ihr ausgezeichnetes Werk war beeindrucken. Die Diskussionen trafen in diesem Jahr wieder den Geist der Zeit und hochkarätige Speaker gaben interessante Einblicke. Zwei unserer Vorstandsmitglieder, Peter Koch und Silke Boschert, haben ebenfalls aktiv im Programm mitgewirkt und ihre Erfahrungen und Kompetenzen in die Diskussionen mit eingebracht.
Primärarztsystem vs. Primärversorgungssystem
Unser Vorsitzender Peter Koch plädierte in der Diskussion um das Primärversorgungssystem dafür, dass die Pflege auch Verantwortung übernehmen darf. Er erweiterte mit seinem Blickwinkel aus der ambulanten und stationären Langzeitpflege die Diskussion und brachte es auf den Punkt: Es braucht eine flächendeckende Selbstverwaltung, um „in unserem arztzentrierten Gesundheitssystem den Fokus weg von der Behandlung von Krankheiten hin zu mehr Prävention zu legen“. Sein klarer Ausblick: Es gebe keine Alternative zur Einbeziehung der Pflegefachlichkeit in die reguläre Versorgung, allein um diese in der Fläche sicherzustellen. Das sah Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender der Bundesärztekammer, erwartungsgemäß anders. Pflege dürfe gerne mehr Verantwortung übernehmen und auch Tätigkeiten entsprechend ihrer Kompetenzen ausführen – aber Therapie und Diagnostik obliege allein den Ärzten. DPR-Präsidentin Christine Vogler hielt hier scharf entgegen und brach die Lanze für eine eigenständige Profession Pflege, die den Ärzten nichts wegnehmen wolle, aber an manchen Stellen – wie zum Beispiel der Wundversorgung – mit entsprechend qualifiziertem Pflegenden einfach besser und up to date ausgebildet seien.
In die gleiche Richtung ging am zweiten Tag die Diskussion der stambulanten Versorgung, in der Peter Koch klar den Standpunkt vertrat, dass die Zukunft in interprofessionellen Teams liege und es die pflegefachliche Expertise brauche. Für den Pflegemanager steht bei allen Betrachtungen jedoch der Mensch im Mittelpunkt. „Die Profession Pflege ist oft als erstes mit den Bewohnern und Patienten in Kontakt und bestens in der Lage, pflegerische Bedarfe zu erkennen“, erklärt er in der lebhaften Diskussion. Zudem bringt Koch ein, dass die Anerkennung der Fachpflege als eigenständige Profession am Ende dem System auch Geld spare.
Spannend war hier der Ausblick in die Gesundheitsregion Lausitz mit der neuen Universitätsmedizin. In Brandenburg entsteht hier ein Campus für Heilberufe, der visionär die Kompetenzen aller ausbilden will und in der stambulanten Versorgung die Zukunft sieht.
Arbeitsfreue ist auch Führungsaufgabe
Unser Vorstandsmitglied Silke Boschert, die erst im vergangenen Herbst den Female Transformers in Healthcare Award gewonnen hat, hat einen Impulsvortrag zum Thema „Führung, Kultur und innovative Gestaltung wertschätzender Strukturen in der Zusammenarbeit“ gehalten. Gewohnt praxisnah und spritzig erzählte sie aus ihrer beruflichen Laufbahn und gibt dem Thema, das ihr so sehr am Herzen liegt, einen besonderen Stellenwert. Denn sie weiß, dass Teamkultur und Arbeitsklima auch Führungsaufgabe sind. Gerade das Thema Haltung ist für die gelernte Altenpflegerin, die dem Paul-Gerhardt-Werk als Geschäftsführerin und Alleinvorständin vorsteht, wichtig. Es kommt im Vortrag rüber, dass es ihre Vision ist, nicht nur bestmögliche Pflege zu ermöglichen, sondern auch den Mitarbeitenden Freude an der Arbeit mitzugeben – auch wenn es mal Rückschläge gibt.



