22. Oktober 2026
Pflege zu Hause darf kein Luxus werden

Ambulante Pflegedienste schlagen Alarm: Das PNOG gefährdet die Versorgung zu Hause, vertraute Bezugspersonen und Arbeitsplätze. Das Pflegebündnis Mittelbaden e.V. fordert, das PNOG so nicht zu verabschieden und die Pflegepraxis verbindlich einzubeziehen.
Mit dem Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) sollen Pflegegeld, Entlastungsbetrag sowie Verhinderungs- und Kurzzeitpflege neu geordnet werden. Die Verhinderungspflege soll als eigener Anspruch entfallen. Die Folgen zeigen sich schon jetzt. „Wenn alles so kommt wie geplant, müssen wir uns womöglich von Mitarbeitenden trennen. Viel schlimmer ist, was das für die Menschen bedeutet, die täglich auf uns angewiesen sind“, erklärt Valentina Wein, stv. Vorsitzende des Pflegebündnisses Mittelbaden e.V. und Geschäftsführerin eines ambulanten Pflegedienstes.
Sie gibt die derzeitige Verunsicherung wider: „In dieser Woche musste die Versorgung einer Kundin pausiert werden, weil ihr Budget für die Verhinderungspflege ausgeschöpft ist. Ob sie den Dienst im kommenden Jahr noch nutzen kann, ist offen. Die Tocher einer anderen Kundin will ihre Mutter ab Januar selbst versorgen: `Irgendwo müssen wir ja sparen´, ist ihre Begründung“, so Wein.
Wie wenig die Arbeit verstanden werde, zeige der Vorschlag eines Besuchers in ihrem Büro: Gib mir deine Kunden, ich habe Putzkräfte, die können das übernehmen. „Es geht nicht ums Putzen“, so Wein. „Es geht um Vertrauen, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Unsere Mitarbeitenden kennen ihre Kundinnen und Kunden, hören zu und erkennen oft als Erste, wenn es einem Menschen nicht gut geht.“
Politik und Gesellschaft wollen, dass ältere Menschen möglichst lange selbstbestimmt zu Hause leben. „Doch genau diese Angebote, die das ermöglichen, drohen wegzufallen oder unbezahlbar zu werden“, sagt Wein.
Das Pflegebündnis Mittelbaden appelliert daher an die Bundestagsabgeordneten: „Wir fordern die Politik auf, die Folgen für die häusliche Versorgung zu prüfen, ambulante Pflegedienste verbindlich zu beteiligen und die Unterstützung zu erhalten, auf die Pflegebedürftige, Angehörige und Mitarbeitende täglich angewiesen sind“, erklärt Peter Koch, Vorsitzender des Pflegebündnisses Mittelbaden e.V.



